Biografie

Circus Roncalli ist ein deutscher Zirkus in der Rechtsform einer GmbH mit dem Geschäftssitz sowie Winterquartier in Köln. Gegründet wurde das Unternehmen erstmals im Jahr 1975 in Wien von den beiden Österreichern Bernhard Paul und André Heller, die am 8. Oktober selben Jahres im Rahmen des Festivals Steirischer Herbst (siehe auch: Grazer Orpheum) unter dem Programmtitel „Die größte Poesie des Universums – Zirkus als Gesamtkunstwerk“ den (festivalseits mit Multimedia klassifizierten) „Zirkus Roncalli (Wien)“ vorstellten bzw. die kommende erste Produktion, deren Premiere für 1. April 1976 in Graz in Aussicht genommen war, bewarben.

Der Name des Zirkus leitet sich laut Paul vom Titel eines Drehbuchs ab, das ihr Landsmann Peter Hajek verfasste („Sarah Roncalli, Tochter des Mondes“). Die auch lange über dessen Tod hinaus noch anhaltende Popularität des Papstes Johannes XXIII. – sein bürgerlicher Name war Angelo Giuseppe Roncalli – half Pauls Aussagen zufolge ebenfalls, den Zirkusnamen bekannt zu machen.

Geschichte

Die erste Tournee begann mit der Weltpremiere des neuen Zirkus am 18. Mai 1976 auf der Hofgartenwiese in Bonn und endete abrupt am 16. August 1976 in München (Programmtitel: „Die größte Poesie des Universums“). Nach der ersten Saison trennten sich Paul und Heller im Streit um Konzept und Rechte, der danach über mehrere Jahre lang andauerte. Seit seiner Neugründung, mit der Premiere am 4. Juni 1980 in Köln, führt Bernhard Paul den Zirkus alleine weiter. Das Bekenntnis zu einem klassischen Zirkus wurde auch nach dem Neubeginn zu einem Markenzeichen von Roncalli. Seither ist der Zirkus mit zahlreichen Tourneen im In- und Ausland (unter anderem mit dem ersten Auftritt eines bundesdeutschen Zirkus’ in der UdSSR 1986) erfolgreich unterwegs. In den Jahren 2006/2007 feierte das Unternehmen sein 30-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsprogramm und einer zweiteiligen Tournee. Seit 2006 ist David Larible als Clown bei Roncalli zu sehen. In einem Interview mit den Lübecker-Nachrichten bestätigte Larible, dass er sein Engagement zum Saisonende 2012 beenden wird.

Winterquartier

Das Winterquartier des Circus Roncalli befindet sich seit 1984 im Neurather Weg 7 in Köln-Mülheim. Das Gebäude gehörte früher dem Circus Williams und wurde zwischen 1984 und 1986 nach Bernhard Pauls Plänen umgestaltet, um den Circus Roncalli mit seiner Ausrüstung beherbergen zu können. Die offizielle Einweihung fand am 27. April 1986 statt. Auf dem Gelände befinden sich nicht nur das Winterquartier, sondern auch große Hallen, in denen die Wagen gestaltet und renoviert werden, an den Kostümen gearbeitet wird und die Ausstattung des historischen Jahrmarkts in Ordnung gehalten wird. Außerdem befindet sich auf dem Gelände die Lagerhalle mit den mehr als 100 Zirkuswagen von Roncalli.

Tierhaltung

Der Circus Roncalli verzichtet bewusst auf die Haltung und zur Schau Stellung von Wildtieren. Lediglich Hunde und Pferde treten in der Manege auf. Da Tiere – insbesondere Wildtiere – nach Ansicht vieler Biologen und Tierärzte körperlich und seelisch enorm unter dem Leben im Zirkus leiden, gibt es in diversen Ländern bereits ein entsprechendes Verbot.

Projekte

Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Projekte in Zusammenarbeit mit dem Circus Roncalli:

Unter dem Namen Roncalli’s Apollo-Varieté eröffnete Bernhard Paul im Oktober 1997 in Düsseldorf ein Varieté. Bis zum 15-jährigen Jubiläum des Hauses traten dort über 500 Artisten in 96 Programmen auf.

Die „Höhner rockin Roncalli Show“: Unterschiedliche Programme als Extra-Tournee in Zusammenarbeit mit der kölschen Gruppe „Höhner“.

Roncallis „Circus meets Classic“ Auftritte verschiedener Künstler abgestimmt auf klassische Musik in Zusammenarbeit mit verschiedenen Symphonieorchestern unterschiedlicher Konzerthäuser.

Roncallis „Panem et Circenses“; Varieté im Spiegelzelt

Auftritte mit der deutschen Popgruppe Kelly Family 2003/2004 („Phantasie verboten“), 2005 sowie 2006 („Music meets Circus – Circus meets Music“).

Seit 2004 veranstaltet der Circus im Berliner Tempodrom von Dezember bis Januar ein spezielles Weihnachtsprogramm (Roncalli Weihnachtscircus).

Die Dinnershow „Witzigmann & Roncalli Bajazzo“, gemeinsam mit Eckart Witzigmann ab Herbst 2006 bis zur Insolvenz im Februar 2008.

1998 eröffnete Bernhard Paul in Aachen das Café Roncalli, in dem in Kaffeehausatmosphäre Zirkuselemente und -vorführungen vorgestellt wurden. 2008 wurde das Projekt nach einigen Pächterwechseln wieder aufgegeben.

Fernsehserie

In den Jahren 1986/87 entstand in Zusammenarbeit mit Bernhard Paul und den Artisten des Circus Roncalli die sechsteilige ARD-Fernsehserie Roncalli mit Günther Maria Halmer in der Titelrolle als Zirkusdirektor Bruno Roncalli.

Transport

Bernhard Paul bevorzugt Bahntransporte und setzt daher als letzter Zirkus in Deutschland auf schienengebundene Zirkuszüge. Der Transport des gesamten Roncalli-Wagenmaterials mit über 80 historischen Zirkuswagen erfordert einen Güterzug mit einem Gesamtgewicht von 1.175 Tonnen und einer Zuglänge von rund 700 Metern; diesen zu entladen, dauert mehr als einen Tag. Bahntransporte erweisen sich aber zusehends als schwieriger, da beispielsweise die Deutsche Bahn geeignete Laderampen kaum noch in Betrieb hat. Nach einem Bericht in Bahn TV im März 2007 erwägen Kundenberater der Deutschen Bahn, noch vorhandene Laderampen der Bundeswehr oder der Britischen Rheinarmee respektive der Britischen Streitkräfte in Deutschland für Zirkuszüge zu verwenden.



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Quelle und Autorenliste: Wikipedia / Autorenliste

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