Wie gewohnt stürzen sich Dengue Fever mit dem Kopf voran in die zweite Dekade ihres Bandbestehens und veröffentlichen zeitgleich ihr fünftes Album „The Deepest Lake“, das gänzlich neues Material enthält und einen kritischen Scheideweg in der Karriere der Musiker markiert. 2013 gründete die Band ihr eigenes Label „Tuk Tuk Records“ und begab sich auf neue Fährten des parallelen Daseins als Künstler und Labelbesitzer. Auf diese Weise kann Dengue Fever grenzenlos musikalisch experimentieren und selbst Entscheidungen über die nächsten Karriereschritte treffen.
Das bereits erwähnte neue Album „The Deepest Lake“ ist der beste Beweis für diese mehr als gelungene janusköpfige Konstellation. Es bringt mehr akustischen Facettenreichtum mit sich als der Mekong selbst. Das im Januar in den USA und Kanada und im Februar in der restlichen Welt erschienene, zehn Songs lange Album wird sowohl eingefleischte Fans als auch frische Hörer, die auf der Suche nach einem gänzlich neuen Hörerlebnis sind, in den Bann ziehen. Zu dem der Band charakteristischen und von Kritikern hoch gelobten Mix aus kambodschanischem Pop und psychedelischem Rock, kommen auf der neuen Platte noch Sounds von Khmer Rap, lateinamerikanischen Grooves, afroamerikanischen Schlagzeugbeats sowie Memphis-Soul artigen Blasinstrumenten hinzu.
Vom ersten, durch Keyboard- und Schlagzeugsounds bestimmten Track „Tokay“ führt die vogelgleiche, unverwechselbare Stimme der Leadsängerin Chhom Nimol durch die musikalische Palette von „The Deepest Lake“. Während „Rom Say Sok“ durch den abwechselnd weiblich-männlichen Gesang etwa an legendäre Bands wie „X“ des Duos Exene Cervenka und John Doe erinnert und das Beste der Indiemusik zum Vorschein bringt, steht der jamsessionartige, sechsminütige Song „Cardboard Castles“ ganz in der Tradition des Psychedelic Pop. Diese Spannbreite macht deutlich, dass Dengue Fever mit „The Deepest Lake“ kein Risiko scheuen. Indem die Band ihren Instinkten folgte und viele Tracks ganz in der Manier von ausufernden Jamsessions aufnahm, spielte sie sich zu ihren musikalischen Höhen auf. Auf „The Deepest Lake“ ist keine Spur davon zu finden, dass passenden Songs gesucht werden musste. Vielmehr ist das Album ein organisches Ganzes und zeugt davon wie die Eingebungen ganz von selbst zu den Musikern kamen.
Die neu gewonnene Unabhängigkeit im zeitgleichen Dasein der Band als Künstler und Labelbesitzer, markiert nur einen weiteren Schritt in der Entwicklung der Musiker, die eine ganz eigene Position in der Musikszene von Los Angeles einnehmen. Alles begann im Jahr 2002 mit der Veröffentlichung des ersten namens gebenden Debütalbums „Dengue Fever“. Indem die Band verloren geglaubtes Liedgut der Khmer Kultur coverte, ehrte sie den Khmer Rock – ein hybride Stilrichtung aus der Zeit des Vietnam Kriegs mit Surfelementen, psychedelischen Anklängen und klassischer Rockmusik wie sie etwa von kambodschanischen Rockgrößen wie Ros Sereysothea, Pan Ron und Sinn Sisamouth dargeboten wurde.
Die von Kritikern hoch gelobte zweite Veröffentlichung von Dengue Fever mit dem Titel „Escape from Dragon House“ aus dem Jahr 2005 bestand bereits aus gänzlich neu komponierten und geschriebenen Tracks. Amazon zeichnete das Album mit Platz 1 der internationalen Neuerscheinungen 2005 aus und das Mojo Magazin nahm die Platte in die Top 10 der Weltmusik Veröffentlichungen von 2006 auf.
Der Release der dritten Platte „Venus on Earth“ von 2008 brachte der Band die bis dato besten Verkaufszahlen ein. Das Album fand sowohl unter Kritikern als auch Fans weltweit ein immenses Echo. Sogar Musikgrößen wie Peter Gabriel, Kirk Hammett von Metallica und Ray Davies sprachen in der Presse enthusiastisch von „Venus on Earth“ und machten die Platte noch bekannter.
Das vierte Album von Dengue Fever namens „Cannibal Courtships“, das 2011 auf dem Label Fantasy Records/Concord Music Group erschien, markiert wiederum eine weitere Entwicklung, insofern als die Band ihre gewohnte Stilrichtung verließ und um experimentelle Sounds erweiterte.
Die eigentlichen Wurzeln von Dengue Fever sind bereits in den 90er Jahren zu verorten, als der Keyboarder der Band Ethan Holtzman eine sechsmonatige Reise durch Südostasien unternahm. Als er voll gepackt mit kambodschanischen Musikkassetten nach Los Angeles zurückkehrte, schloss er sich mit seinem Bruder Zac zusammen, der die gleiche Musikrichtung für sich entdecke als er in einem Plattenladen in San Francisco arbeitete. Schon bald steckten die Brüder andere mit ihrer Liebe zu kambodschanischer Vintage Musik an und so kam 2002 der Saxophonist David Ralicke, der Schlagzeuger Paul Dreux Smith und der Bassist Senon Williams hinzu: Die Band Dengue Fever war geboren. Was noch fehlte, war ein unverwechselbarer, originärer Gesang. Fündig wurden die Musiker in einem kambodschanischen Nachtclub in Long Beach Kalifornien und so trat nach einigen Bemühungen und Umwerbungen die einzigartige Chhom Nimol der Band bei, nachdem sie erkannte, dass alle Bandmitglieder die Leidenschaft für die Musik ihres Heimatlandes teilten.
Es ist genau diese exzentrische und ungewöhnliche Mischung aus Khmer Musik, Garagenrock und britischer Beatmusik, die den Sound von Dengue Fever zu Höhen aufsteigen ließ, von denen die Band 2002 nicht zu träumen gewagt hätte. Seit dem Gründungsjahr spielte sich Dengue Fever in die Herzen von tausenden von Fans weltweit, indem sie auf solch prestigevollen Festivals wie WOMAD, WOMEX, Melbourne Festival, Glastonbury, Transmusicales, Roskilde, Electric Picnic, Peace and Love auftrat.
Nachdem etliche Features über Dengue Fever in Publikationen wie der New York Times, der Los Angeles Times, dem Mojo-, Uncut-, Magnet-Magazin oder in den Sendungen von NPR-Radio, Radio Australia und KCRW erschienen, ist die Zeit definitiv mehr als reif für eine weitere Dekade Dengue Fever – einer Dekade, in der die Band sich auf den Weg machen kann, weitere musikalische Grenzen über Board zu werfen. Das neue Album „The Deepest Lake“ ist nur der erste Beweis für den glorreichen Schritt in diese neue, spannende Richtung.