Mit einem Mix aus Jugendstil, Art déco und klassischer Moderne ist der Friedrichsstadt-Palast in Berlin ein großer Prunkbau der ehemaligen DDR. Bis heute finden hier Shows mit Ballett und Akrobatik sowie große Gala-Abende statt. Der Friedrichstadt-Palast bietet fast 1.900 Plätze, seine Bühne gehört zu den größten der Welt.
Der im 19. Jahrhundert gegründete Friedrichstadt-Palast in Berlin wird heute oft als „Las Vegas an der Spree“ bezeichnet. Er ist berühmt für seine fantasievollen Bühnenbilder, Kostüme und Choreografien. Sein Ensemble besteht aus Tänzern und Tänzerinnen aus der ganzen Welt.
Nach der Wiedervereinigung gründet der Berliner Senat eine landeseigene GmbH für den Revue-Tempel. Seit 2007 lenkt Bernd Schmidt als Geschäftsführer und Intendant die Geschicke des Hauses, und knüpft an die glorreiche Vergangenheit an.
Ursprünge in der Oranienburger Vorstadt
Die Bezeichnung „Friedrichstadt-Palast“ geht nicht auf das gleichnamige Stadtviertel in der Nachbarschaft zurück. Der erste Bau befindet sich zwischen Friedrichstraße und Humboldthafen. Hier entsteht 1867 eine Markthalle, die sich jedoch nicht rentiert.
Nach einigen erfolglosen Intermezzi anderer Nutzer bezieht der Markthallen-Circus die leerstehenden Räume. Klassische Programme mit Pferde- und Raubtierdressuren begeistern das Publikum. Im Jahr 1919 übernimmt Max Reinhardt, der Begründer des modernen Regietheaters, den Friedrichstadt-Palast in Berlin.
Mit Max Reinhardt hebt die Location in Berlin zu einem kulturellen Höhenflug ab. Der österreichische Theatererneuerer lässt das Haus wieder umbauen und nutzt es für monumentale Stücke. Zudem gastieren hier 20er-Jahre-Stars wie die legendären Comedian Harmonists.
Bühne für Weltstars und große Show-Events
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt das Haus zurück zu seinen Wurzeln. Der Friedrichstadt-Palast Berlin wird zur Show-Bühne. Unter seinen Scheinwerfern feiert das Publikum internationale Stars wie zum Beispiel die Jazz-Größen Louis Armstrong und Ella Fitzgerald oder die populäre DDR-Show „Ein Kessel Buntes“.
1980 kommt es schließlich zur Zäsur: Das Fundament auf dem sumpfigen Untergrund in der Oranienburger Vorstadt erweist sich als nicht mehr tragfähig. Die Folge: Der Friedrichstadt-Palast Berlin muss schließen. Doch schon ein Jahr später wird der Grundstein am heutigen Standort gelegt.
Neuanfang mit moderner Show-Technik
Nach einer Bauzeit von vier Jahren wird der Palast am neuen Standort feierlich eröffnet. Mit seinen Rundbogenfenstern ist er ein repräsentativer Blickfang. Drinnen sitzen die Besucher wie in einem griechischen Amphitheater. Ein besonderer Clou der Bühnentechnik ist ein ausfahrbares Wasserbecken, das auch als Eisfläche genutzt werden kann.
Seit der Wende beherbergt der Friedrichstadt-Palast Berlin regelmäßig beliebte Show-Acts – von spektakulären Revuen über Musicals und Theaterstücke bis hin zu Ballett und Orchesterkonzerten. Seit 2009 wird das Haus zudem jeden Februar als Kino für die Berlinale genutzt.
Am 27. April 2014 schafft es das Revuetheater sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Fleißige Bäcker produzieren aus 6.448 Pfannkuchen die längste Pfannkuchen-Reihe der Welt. Anlass für diese publikumswirksame Aktion ist das 30-jährige Bestehen des neuen Gebäudes.
Der Friedrichstadt-Palast in Berlin beweist gesellschaftliches Engagement
Sechs Jahre später, 2019, feiert der Friedrichstadt-Palast seinen 100. Geburtstag. Den Ehrentag widmet das Haus seinen jüdischen Gründungsvätern wie Max Reinhardt, der während der Zeit des Nationalsozialismus ins Exil fliehen musste. Im selben Jahr konzipiert Regisseur René Pollesch dort sein gesellschaftskritisches Projekt „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“ gemeinsam mit der Ballettkompanie des Hauses
Ab Oktober 2020 präsentiert der Friedrichstadt-Palast in Berlin die Fotoausstellung „Stageless“. Gezeigt werden intime Momentaufnahmen von Künstlerinnen und Künstlern nach ihren Aufritten, die vom Fotografen und Türsteher des Technoclubs Berghain, Sven Marquardt, bereits 2019 gemacht wurden.
Somit werden nicht nur Unterhaltung und Kultur, sondern auch Toleranz und soziales Engagement im Friedrichstadt-Palast großgeschrieben. Die Spielstätte unterstützt ebenfalls diverse regionale Kinderhilfsprojekte und positioniert sich gegen Homophobie.