Es gibt eine deutsche Girlgroup, die stellt alle anderen je dagewesenen in den Schatten, und das sind die einzigartigen, hochtalentierten, wunderbaren – Achtung, Trommelwirbel – No Angels. Mehr als 20 Jahre sind vergangen seit Vanessa Petruo, Sandy Mölling, Jessica Wahls, Lucy Diakovska und Nadja Benaissa in der RTL-II-Castingshow „Popstars” zusammenfanden, um die Charts im Sturm zu erobern. Viel hat sich seitdem getan, eins jedoch ist unverändert: Hits wie „Daylight in Your Eyes” „Rivers of Joy”, das Eurythmics-Cover „There Must Be an Angel” oder „Something About Us” setzen sich heute noch genauso hartnäckig im Gehörgang fest wie damals.
Die bisherige Karriere der No Angels verlief mitunter ziemlich turbulent. Gigantische Höhenflüge, zwei Auflösungen und zwei Reunions sowie der Weggang von Vanessa prägen die Bandgeschichte. Schon der Start war außergewöhnlich: Eine in einer Reality-Fernsehshow zusammengecastete Mädchenband – das gab es hierzulande bis dahin noch nicht. Mit ihrer ersten Single „Daylight in Your Eyes” – dem Megahit des Jahres 2001 – landen die Fünf ohne Umwege auf der Spitzenposition der Singlecharts. Auch das Debütalbum „Elle’ments” rangiert auf Platz #1. Von Null auf Hundert, das gelingt nur ganz wenigen Newcomern. Millionen Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen den Engeln auf ihrer „Rivers of Joy”-Tour zu Füßen.
2002 liefern die „Popstars” mit „Now … Us!” ihr zweites Studioalbum ab, das es sich, wie könnte es anders sein, ebenfalls auf der Pole Position bequem macht. Im selben Jahr stehen die No Angels in Berlin vor einem ausgewählten Publikum mit einer Bigband auf der Bühne. Das Ergebnis ist auf dem Livealbum „When the Angels Swing” für die Ewigkeit festgehalten. Auf dem dritten Album „Pure”, das 2003 erscheint, sind nur noch vier Engelsstimmen zu hören – Jess hat sich in die Babypause verabschiedet und widmet sich anschließend ihrer Solokarriere. Nachdem auch dieses Album ein voller Erfolg ist, kommt die Bekanntgabe vom, zumindest vorläufigen, Ende der No Angels urplötzlich. Mit einem Best-of-Album verabschiedet sich Deutschlands Girlgroup Nummer Eins.
Dem Himmel sei Dank: Die Engel kehren zurück
Gut drei Jahre müssen sich die Fans gedulden, bis die No Angels 2007 ihr Comeback feiern – ohne Vanessa, dafür wieder mit Jessica. „Goodbye to Yesterday” lautet der treffende Titel der ersten Single, „Destiny” der des zugehörigen Albums. Mit „Disappear”, treten sie 2008 beim Eurovision Song Contest an, den sie jedoch nicht für sich entscheiden können. 2009 gerät die Gruppe vermehrt wegen eines Skandals um Nadja in die Schlagzeilen. Nichtsdestotrotz erscheint 2009 das fünfte No-Angels-Album „Welcome to the Dance”, das jedoch nicht ganz an frühere Erfolge anknüpfen kann. Bedeutet dies das endgültige Aus für die No Angels? Für eine sehr lange Zeit sieht es ganz danach aus.
Ab 2011 widmen sich die Mitglieder vermehrt ihren Solokarrieren und anderen Aktivitäten. An eine Reunion glaubt bald niemand mehr. 2020 steht die Musik der No Angels schließlich auf Streamingdiensten bereit – und löst einen neuen Hype aus. 20 Jahre nach ihrer Entstehung begeistert die Gruppe wie eh und je. Es folgen „Celebration Versions” der größten Hits, TV-Auftritte und schließlich die Jubiläums-Kompilation „20”, auf der auch vier neue Songs zu hören sind. Neben den großartig klingenden „Celebration Versions“ ihrer unvergesslichen Songs verdanken die Fans dem Comeback von Jess, Sandy, Lucy und Nadja vor allem die Tatsache, dass sie die No Angels nun endlich wieder live erleben können. Da hat sich das Warten doch wirklich gelohnt!