Jeder kennt das Sprichwort »Spinnen am Morgen, bringt Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend, erquickend und labend«.
Der Musikwissenschaftler Uwe Henkhaus, der seit 30 Jahren den Soundhaufen in Maulbach leitet, macht nachvollziehbar, warum das abendliche Spinnen so beliebt war - allerdings nicht bei den Behörden und anderen Sittenwächtern, die Spinnstuben als „Treibhäuser der Unsittlichkeit“ ansahen. Tatsächlich diente die Spinnstube nicht nur dem lebensnotwendigen Broterwerb: Für die dörfliche Gesellschaft war sie auch Nachrichtenbörse, Ort der Unterhaltung durch Gesang, Erzählungen, Tanz und Spiel sowie für feuchtfröhliche Ausgelassenheit.
Nicht zuletzt bot sie einen Freiraum für die Jugend, der für die Annäherung ans andere Geschlecht große Bedeutung hatte, wo Ehen buchstäblich „angesponnen" werden konnten.
Im Anschluss an die Lesung sind alle eingeladen, einander ihre Spinnstubengeschichten zu erzählen.