Die Vernichter
Der Bandname ist Programm bei den Kanadiern Annihilator: Mit ihrem Debütalbum „Alice In Hell“ ziehen sie 1989 aus, um die Musikwelt mit unnachgiebigem Thrash-Metal zu vernichten. Obwohl der Plural eigentlich etwas übertrieben ist: Im Prinzip sind Annihilator zu jeder Zeit einzig und allein das Projekt von Mastermind Jeff Waters, der im Laufe der Jahre über 25 Bandmitglieder verschleißt und im Zweifelsfall – wie bei den drei Alben der Mittneunziger – auch mal sämtliche Instrumente (bis auf die Drums) sowie den Gesang selbst übernimmt. Das könnte man als fehlende Konstanz und Spinal-Tap-Paradebeispiel interpretieren, doch immerhin bleibt die kanadische Säge-Fraktion durch die ständigen Wechsel davor verschont, musikalisch stillzustehen. Allerdings liegt die alleinige Soundhoheit ohnehin stets bei Waters.
Annihilator gehören zur Speerspitze des Thrash Metals
Vielleicht wären Annihilator mit einer festen Besetzung noch weiter nach oben gekommen: Schließlich liefern sie zur Blütezeit des Thrash-Metals Ende der 80er mit „Alice In Hell“ einen wahren Klassiker des Genres ab, der durch wilde Rhythmuspassagen, wuchtige Breaks und pfeilschnelle Soli besticht. Auch das Zweitwerk „Never, Neverland“ von 1990 wirbelt mächtig Staub in der Szene auf und ist ein voller Erfolg. Auch wenn Annihilator nie den Status der Big Four des Genres – Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax – erreichen und im Laufe der Jahre auch mit dem Speed und Power Metal kokettieren, müssen sie allein aufgrund ihrer grandiosen ersten beiden Alben definitiv zum erweiterten Kreis der Big Ten des Thrashs gerechnet werden, zu denen auch die Kollegen Exodus, Testament, Kreator, Overkill oder Death Angel zählen.
Unkaputtbar
Allein, dass die Band über ein Vierteljahrhundert lang besteht und sich dabei stets selbst treu bleibt und noch immer auf ihren energetischen, mitreißenden Live-Konzerten dem Thrash-Gott huldigt, ist aller Ehren wert. 2013 wird Waters und seinen aktuellen Mitstreitern – Sänger Dave Padden ist immerhin schon seit 2003 dabei – sogar die Ehre zuteil, das legendäre Wacken Festival zu eröffnen, und wenige Tage später veröffentlichen sie ihr sage und schreibe 14. Studioalbum „Feast“. Sprich: Der kanadische Vernichtungsfeldzug ist noch lange nicht vorbei. Obacht vor dem Annihilator!