„It’s not big and it’s not special“ versichert das Duo aus Birmingham selbst. Diese Aussage sollte man allerdings nicht zu ernst nehmen. Okay, so richtig „big“ sind Big Special vielleicht – zumindest noch –nicht. Aber „special“ sind sie eindeutig, das stellen sie mit Singles wie „Shithouse“, „This Here Ain’t Water“, „Trees“ oder „Dust Off / Start Again“ immer wieder klar. Sänger Joe Hicklin und Schlagzeuger Callum Moloney vereinen poetische Texte mit einem eigenwilligen Stil-Mix, der einen deutlichen Punk-Einschlag besitzt, darüber hinaus aber von den vielfältigen musikalischen Einflüssen der beiden Protagonisten zeugt. Zu diesen zählen Folk und Blues ebenso wie Hip-Hop. Jegliche Genre-Schubladen lässt man bei Big Special am besten gleich zu und genießt stattdessen einfach die Musik.
Während der Pandemie ins Leben gerufen, lassen Big Special britische Musikfans schon mit den ersten Veröffentlichungen 2022 aufhorchen und haben sich bald eine solide Fanbase erspielt, nicht zuletzt dank zahlreicher Live-Auftritte. Zum Teil liegt es aber sicher auch daran, dass Hicklin und Moloney ein eingespieltes Team sind. Die beiden Musiker haben sich im College kennengelernt und anschließend gemeinsam in Bands gespielt, sich dann allerdings für rund zehn Jahre aus den Augen verloren. Erst der Lockdown und die du diesen bedingte Langeweile und Frustration bringt die beiden wieder zusammen. Eine Zeit lang experimentieren sie mit verschiedenen Sounds und verarbeiten ihre lyrischen, von der Zugehörigkeit zur britischen Arbeiterklasse geprägten Texte in ersten Songideen. Am Ende dieser Findungsphase steht Big Special in den Startlöchern.
Erste Singles und das Debütalbum „Postindustrial Hometown Blues“
Wie schnell es eine nennenswerte Anzahl Menschen von seiner Musik überzeugt hat, dürfte das UK-Duo anfangs selbst überrascht haben. Als sie die ersten ausverkauften Shows in ihrer Heimat spielen, haben Joe und Callum noch kein vollständiges Album, sondern lediglich die EP „Doom Song“ im Gepäck. Hierzulande bringen sich die Senkrechtstarter 2023 mit den Singles „Shithouse“, „This Here Ain’t Water“ und „Desperate Breakfast“ verstärkt ins Gespräch. Live zu sehen sind sie in Deutschland in dem Jahr etwa auf dem Reeperbahn Festival. Nach der „Trees“-EP kündigen Big Special für Mai 2024 ihr mit Spannung erwartetes Debütalbum „Postindustrial Hometown Blues“ an. Einen ersten Vorgeschmack liefern die Vorabsingles „Dust Off / Start Again“ und „Butcher’s Bin“.
Auch wenn die Tatsache, dass sie zu zweit sind, zu Vergleichen mit anderen Duos wie Sleaford Mods, Royal Blood oder White Stripes verleiten mag – Big Special kreieren etwas überaus Eigenständiges. Dafür sorgen die Mischung aus Gesang und Spoken Word Poetry sowie der genreübergreifende Sound, die sie eben nicht nach anderen Acts, sondern einzig nach Big Special klingen lassen. Schon auf Platte funktioniert das ganz ausgezeichnet, live aber ist es eine echte Macht.