Wer die Namen hinter Drink The Sea liest, könnte zunächst an ein klassisches All-Star-Projekt denken. Doch die neue Band ist weit mehr als die Summe ihrer prominenten Mitglieder. Hier treffen Musiker*innen aufeinander, die seit Jahrzehnten zu den kreativsten Köpfen der internationalen Rock- und Alternativeszene zählen und deren gemeinsame Neugier größer ist als jeder Blick zurück auf frühere Erfolge.
Mit dabei ist Peter Buck, Gründungsmitglied und Gitarrist von R.E.M., dessen unverwechselbares Spiel den Sound einer ganzen Generation geprägt hat. An seiner Seite stehen Barrett Martin, einst Schlagzeuger der Seattle-Legenden Screaming Trees und der Supergroup Mad Season, der chilenisch-amerikanische Multiinstrumentalist und Produzent Alain Johannes (Queens of the Stone Age, Eleven) sowie der britische Singer/Songwriter Duke Garwood (Mark Lanegan Band). Komplettiert wird die Besetzung von der mexikanisch amerikanischen Perkussionistin Lisette Garcia.
Die Geschichte von Drink The Sea begann 2022 eher beiläufig. Alain Johannes und Barrett Martin trafen sich in Martins Studio im US-Bundesstaat Washington zu einer gemeinsamen Session. Aus ersten Ideen wurden neue Songs, aus lockeren Aufnahmen ein kreativer Prozess, der sich über mehrere Jahre und zahlreiche Länder erstreckte. Weitere Stücke entstanden in Reykjavík, São Paulo, Joshua Tree und Santiago de Chile. Die beiden Debütalben wurden damit tatsächlich rund um den Globus aufgenommen, ein Umstand, der sich auch in ihrer musikalischen Sprache widerspiegelt. Denn Drink The Sea schöpfen zwar aus den klassischen Mitteln einer Rockband, öffnen ihren Klang aber weit darüber hinaus. Arabische Oud, indische Sitar, indonesische Gamelan-Klänge und ein reiches Arsenal an Perkussionsinstrumenten verweben sich mit Gitarren, Bass und Schlagzeug. Das Ergebnis ist keine bloße Weltmusik-Fusion, sondern ein organischer Sound, der die unterschiedlichen Biografien seiner Mitglieder hörbar macht.
Dass ein Projekt dieser Größenordnung überhaupt zustande kam, ist vor allem Barrett Martin zu verdanken. Peter Buck bezeichnete ihn jüngst als einen außergewöhnlichen Vermittler von Ideen und Menschen. Tatsächlich kannten sich längst nicht alle Beteiligten zuvor persönlich. Die gemeinsame Musik entstand aus Vertrauen, Neugier und der Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen. Mit „Drink The Sea I“ und „Drink The Sea II“ veröffentlichte die Band 2025 gleich zwei Alben, die ihre enorme Erfahrung als Songwriter, Arrangeure und Produzent*innen bündeln. Gleichzeitig wirken die Aufnahmen bemerkenswert frisch. Vielleicht liegt das auch daran, dass die sechs Musiker*innen nie versucht haben, vergangene Erfolge zu reproduzieren. Statt Nostalgie dominiert die Lust am Experiment.
Besonders spannend dürfte nun die Live-Umsetzung werden. Während die Alben an verschiedenen Orten und in wechselnden Konstellationen entstanden, standen alle Mitglieder lange Zeit nicht gemeinsam auf einer Bühne. Gerade deshalb besitzen die kommenden Konzerte einen besonderen