Wer in diesen Tagen durch die europäischen Festivalprogramme blättert, stößt immer wieder auf dieselbe Beobachtung: Die spannendsten neuen Bands entstehen oft dort, wo Tradition nicht konserviert, sondern weitergeschrieben wird. Live lässt sich das besonders gut erleben. Zwischen großen Bühnen und kleinen Clubräumen sind es häufig die Gruppen, von denen man vorher noch nie gehört hat, die die nachhaltigsten Eindrücke hinterlassen. Eine dieser Entdeckungen kommt aus Dublin und hört auf den Namen Madra Salach.
In ihrer Heimat hat sich das sechsköpfige Kollektiv in erstaunlich kurzer Zeit einen Ruf als mitreißende Liveband erspielt. Über Monate hinweg spielte die Gruppe nahezu ununterbrochen Konzerte, stand als Support für Kim Deal auf der Bühne und überzeugte bei Festivals wie Electric Picnic, Beyond The Pale und All Together Now. Besonders legendär sollen vier Auftritte bei All Together Now gewesen sein, darunter ein Set um vier Uhr morgens, das den Ruf der Band als außergewöhnliche Liveerscheinung weiter festigte. Nun folgt der nächste Schritt.
Mit „Blue & Gold“ veröffentlichten Madra Salach im September 2025 ihre Debütsingle und legten damit erstmals auf Tonträger offen, was sich bislang vor allem durch Mundpropaganda verbreitet hat. Der Song verbindet die erzählerische Kraft des Folk mit einer zeitgenössischen Offenheit für elektronische Klangfarben. Das Ergebnis wirkt vertraut und neu zugleich. Die Geschichte hinter „Blue & Gold“ ist überraschend alltäglich. Sänger und Bandleader Paul Banks blickt darin auf eine Phase in seinen frühen Zwanzigern zurück, in der er regelmäßig Rubbellose kaufte. Der Traum vom schnellen Reichtum blieb unerfüllt. Geblieben ist stattdessen ein Lied über Hoffnung, Projektion und die kleinen Rituale des Alltags. Der Titel verweist auf das blau-goldene Design jener Lose, die Banks damals bevorzugte. Aus einer unscheinbaren Gewohnheit entstand+ so ein Stück, das persönliche Erinnerungen in eine universelle Erzählung verwandelt.
Gleichzeitig markierte der Song einen ersten Vorgeschmack auf die im Januar 2026 erschienene Debüt-EP „It’s a Hell of an Age“, mit der Madra Salach ihren Sound weiter ausbauen. Auf insgesamt fünf Tracks beweisen die Iren, weshalb man sie auf dem musikalischen Radar haben sollte.
Die Wurzeln der Band reichen tief in die Dubliner Independent-Szene. Die Mitglieder begegneten sich zunächst in unterschiedlichen Projekten und fanden über ihre gemeinsame Begeisterung für den reichen Schatz irischer Volksmusik zusammen. Aus spontanen Sessions in den Pubs der Northside entwickelte sich nach und nach eine eigene musikalische Sprache. Mit zusätzlichen Instrumenten, Harmonium und elektronischen Elementen schufen sie einen Sound, der moderne Themen aufgreift und zugleich an die lange Tradition des irischen Songwritings anknüpft.
Nach Auftritten bei wichtigen Showcase-Festivals wie Eurosonic oder The Great Escape wächst das Interesse an der Band nun auch weit über Irland hinaus. Wer Madra Salach früh erleben möchte, bekommt in diesem Jahr Gelegenheit beim Haldern Pop und beim Reeperbahn Festival. Im Herbst 2026 kommt die Band zudem für eine exklusive Headline Show nach Berlin, um ihr Repertoire noch intensiver zu präsentieren. Für alle, die gerne Bands entdecken, bevor sie die großen Hallen füllen, dürfte das ein Termin sein, den man sich vormerken sollte.