Als 20-jähriger spielte Leslie Mandoki mit seiner damaligen Band „JAM“ im Rock Klub am Bem Rakpart in Budapest. Es war der wirkliche Budapester „Underground“, Wiege der intellektuellen studentischen Opposition gegen Zensur, Bespitzelung und für Reisefreiheit. Musikalisch war Mandoki beeinflusst durch die großen britischen ProgRock Bands dieser Zeit wie Jethro Tull, ‚Emerson, Lake & Palmer‘, die frühe Genesis, Yes oder Supertramp. Intellektuelle, poetische, gesellschaftspolitisch relevante Texte, kompositorisch großartige Werke mit spannenden harmonischen Strukturen, ausgefeilte Produktionen mit individuellen Persönlichkeiten an den Instrumenten. Das alles beeindruckte Mandoki sehr. Doch „was ich vermisste, waren die Virtuosität und die solistische Brillanz, die ich an der New Yorker Jazz-Rock-Szene so liebte. Gerade bei Miles Davis‘ Bitches Brew und all den Formationen, die sich in der Folge daraus entwickelten, wie Mahavishnu Orchestra, Return to Forever oder später den BreckerBrothers“, erzählt Mandoki.
„Ich habe schon damals bei JAM versucht, beides zu fusionieren, also die Wertigkeit des Britischen ProgRock und des amerikanischen JazzRock miteinander zu verschmelzen. Das war meine Vision.“
Nachdem Mandoki mit seiner Band als musikalisches Sprachrohr der studentischen Opposition im stalinistischen Ungarn leidvolle Erfahrung mit Zensur und Auftrittsverboten machen musste und ihm mitgeteilt wurde, dass er niemals einen Reisepass erhalten würde, reifte 1975 der Entschluss seine Heimat zu verlassen, um seine künstlerische Vision in Freiheit zu verwirklichen. Mit einer abenteuerlichen Flucht durch den Karawanken-Tunnel überwand Mandoki den Eisernen Vorhang und landete schließlich im Zentrallager für Asylbewerber im bayerischen Zirndorf. Als Mandoki bei der Aufnahme des Asylantrags nach seinen Plänen gefragt wurde, gab er zu Protokoll, dass er gemeinsam mit seinen musikalischen Heroes Jack Bruce (Cream), Ian Anderson (Jethro Tull) und Al Di Meola musizieren wolle. Zu dieser Zeit waren die genannten Musiker auf dem Peak ihrer Karriere, verkauften Millionen Schallplatten und spielten in vollen Stadien und riesigen Konzerthallen. Entsprechend verdutzt und ungläubig guckte ihn der Beamte an.
„Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben!“ Das hatte ihm sein Vater Jahre zuvor am Sterbebett mit auf den Weg gegeben. Und Mandoki hielt sich daran. Es sollte zwar noch einige Jahre dauern, aber 1992, heute vor drei Jahrzehnten war es dann tatsächlich soweit:
Mandoki brachte erstmals die Größen des Jazz und Rock für die Produktion eines gemeinsamen Albums zusammen. Gründungsmitglieder waren, man höre und staune, Ian Anderson, Jack Bruce, Al Di Meola sowie David Clayton-Thomas (Blood, Sweat & Tears), Bobby Kimball (Toto), Mike Stern, Anthony Jackson, Bill Evans, Randy und Michael Brecker. Für den ersten veröffentlichte Song „Mother Europe“ erhielt die Band anschließend den renommierten Fernsehpreis, die „Goldene Europa“. Und ihr erstes große Live-Konzert spielte die Band in der Donau-Metropole beim Sziget/Eurowoodstockfestival 1994 vor 40.000 begeisterten Zuschauern.
Seither entwickelte sich Mandokis Jazzrock-Projekt unter dem Namen MANDOKI SOULMATES zu einer weltweit einmaligen Band aus Bandleadern mit bis heute elf gemeinsamen Alben sowie mehreren Live-DVDs und Blu-rays. Auch in zahllosen Konzerten von New York bis Shanghai, von Sao Paulo bis Miami und in europäischen Metropolen von London bis Paris konnte man die unbändige Spielfreude und Virtuosität der Soulmates live erleben. So adelte die Süddeutsche Zeitung Leslie Mandoki vor einigen Jahren zurecht tiefsinnig als „Der mit den Helden spielt!“
Im Laufe der Jahre kamen viele weitere legendäre Musikgrößen zu den Soulmates wie Chris Thompson (Manfred Mann’s Earthband), John Helliwell (Supertramp), Nick van Eede (Cutting Crew), Greg Lake (Emeron, Lake & Palmer), Tony Carey (Rainbow), Richard Bona, Cory Henry, Steve Lukather (Toto) oder Chaka Khan, die Mandoki immer als „the only Girlin our Boyband“ bezeichnet. Auch einige herausragende deutsche Musiker wie Peter Maffay, Klaus Doldinger und Till Brönner spielen seit Jahren auf allen Alben und bei Konzerten.
Mandoki lässt seine „Helden“ im Studio und auf der Bühne musikalisch ganz sie selbst sein, was die Soulmates auch entsprechend goutieren: So verglich ihn Jack Bruce wegen seiner Fähigkeit schon beim Schreiben der Musik genau zu wissen, wer später was spielen wird, gar mit Duke Ellington. Mike Stern schwärmt: „He’s definitely the leader. He’s got a very clear concept, but at the same time he lets it to be loose because he wants people to put their personality in every tune. So, he’s got a big role. “
Al Di Meola bezeichnet ihn als „Hungarian Quincy Jones“ und „the leader among giants.“ Ian Anderson ergänzt: „He’s the master-chef in the kitchen, the mastermind. We just turn up for work.“
Cutting Crew Gründer Nick van Eede genießt die besondere Atmosphäre in Mandokis Band der Bandleader. „It doesn’t seem to be any egos going on. Big stars and it’s just everybody sharing the dressing room and the Whisky. The stories. That’s unusual.“ Und fügt hinzu: „He has this ability to get together big names and they love it. I don’t know anybody else in the world who can pull this off." Und die Soul-Legende Chaka Khan: „Leslie has some kind of magic going on with him. He is unique. He can bring people together and pull the best out of them and get everyone to work together. He is like an alchemist. And I love him very much.” Für Randy Brecker ist Mandoki „the one who sees the whole picture. We couldn’t do it without him. Thet’s why he‘s really the bandleader.“ Und dass sich über all die Jahre aus diesem Bandprojekt eine echte Gemeinschaft und Freundschaften entwickelt haben, beschreibt er emotional „We’ve become very close friends and we talk all the time on the phone or by texts or emails. So it’s really a close and fitting relationsship for all of us, really, truly Soulmates.“ Das Ergebnis all dessen brachte Greg Lake (Emerson, Lake & Palmer) auf den Punkt und bezeichnete die Soulmates schlicht als „one of the best bands you will ever hear.“
Über all dem steht Leslie Mandokis Vision, mit den Soulmates progressiven Jazzrock wieder zu gesellschaftspolitischer Relevanz zu führen. „Die Mandoki Soulmates sind keine Verwalter von Welthits, wir sind eine frische Band voll schöpferischem Tatendrang.“, sagt Mandoki. Für ihn ist Musik seit jeher Ausdruck von Freiheit. Seine musikalische Vision der Freiheit in der Einheit von Form und Inhalt. Den eigenen Werten treu bleiben, sich nicht von Genrezwängen und Zeitgeistströmungen verbiegen lassen. Mit intellektuellen, poetischen Texten Stellung zu gesellschaftspolitischen Veränderungen zu beziehen. Kunst als Stachel im Fleisch einer Gesellschaft sein.
Leslie Mandoki und seine Soulmates werden auch nach 30 Jahren nicht müde, ihre Stimme zu erheben. Im Gegenteil, die Old Rebels sind lauter als je zuvor und werden mit Verlaub auch musikalisch immer besser, wie ein guter Wein. Und wie nicht anders zu erwarten, schmiedet Mandoki bereits neue Pläne.
„Mit der Kraft der gemeinsamen dreißig Jahre und der Energie und Verve unserer Teenagerträume werden wir hoffentlich noch viele Konzerte spielen und mit viel Freiraum für Improvisation und virtuose Spielfreude ‚Utopia for Realists‘ gemeinsam mit unserem Publikum feiern. Gleichzeitig arbeiten wir aber schon mit derselben Kraft an unserem neuen Album, das voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres erscheinen wird.“