Wer ist tot am Ende des berühmtesten Theaterstücks aller Zeiten? Nicht die Alten – die Jungen. Romeo und Julia. Schon wieder? Zwei sehr junge Menschen, die sich unsterblich verlieben und am Ende, ausgelöst durch eines der folgenschwersten Missverständnisse der Theatergeschichte, beide sterben. Eine bekannte Tragödie, fast ein Mythos. Doch gerät Entscheidendes leicht aus dem Blick: Julia wird vierzehn Jahre alt. Vierzehn, als sie verheiratet werden soll, vierzehn, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern stellt, vierzehn, als sie sich für Romeo entscheidet. Auch Romeo ist nur wenig älter. Wo sind ihre Eltern? Sie sind beschäftigt. Gefangen in ihren Konflikten, Regeln, einer alten Feindschaft, deren Ursprung kaum noch jemand benennen kann.
Genau hier setzt Lena Braschs Inszenierung an. Sie verschiebt den Blick von der romantischen Liebestragödie auf das System, das diese Liebe von Anfang an unter Druck setzt. Wie kaputt ist eine Welt, in der Erwachsene den Tod ihrer Kinder herbeiführen, weil sie nicht wahrnehmen, was ihre Kämpfe, Erwartungen, Herrschaftsansprüche anrichten? Was hinterlässt diese Generation der nächsten außer Zwietracht und fortgesetzter Gewalt?