1876 gründete Abraham Goldfaden im rumänischen Iai die erste professionelle Theatertruppe in jiddischer Sprache - die Geburtsstunde des modernen jiddischen Theaters. 150 Jahre später bringt das Pariser Troïm Teater Szenen aus seiner berühmtesten Operette nach Halle: Shulamis (1880), die Geschichte eines Schwurs. In der Wüste rettet die Hirtentochter Shulamis den jungen Krieger Absalom aus einem Brunnen. Die beiden geloben einander Treue und rufen als Zeugen den Brunnen und eine vorbeilaufende Katze an. Doch Absalom zieht nach Jerusalem und vergisst sein Versprechen - bis es ihn einholt. Vor schwarzem Vorhang entfalten drei Darsteller*innen eine prächtige Welt: weiß geschminkte Gesichter, Lockenperücken, Perlenketten, Spitze und schimmernde Seide.
Mit großer Geste spielt das Ensemble Ausschnitte aus Goldfadens Melodram zwischen Ernst und Komik.Was bindet ein Versprechen, das niemand bezeugt hat? Und wie klingt eine Theatersprache, deren Publikum fast vollständig vernichtet wurde, heute auf einer Bühne in Halle?Zuvor führt die Goldfaden-Forscherin Dr. Melanie Doris Lukas (Göttingen) in Werk und Zeit ein; danach Publikumsgespräch mit dem Ensemble, moderiert von Tal Hever Chybowski.Eine Produktion von Troïm Teater / Maison de la culture yiddish - Bibliothèque Medem, Paris. Veranstaltet vom Seminar für Judaistik/Jüdische Studien der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem WUK Theater Quartier.