Mit „Violent“ katapultiert sich carolesdaughter 2020 ins Bewusstsein zahlreicher Liebhaber alternativer Musik. Vor allem Angehörige der Generation Z finden sich im Alternative-Pop der US-amerikanischen Singer-Songwriterin wieder. Songtitel wie „please put me in a medically induced coma“ oder „My Mother Wants Me Dead“ machen schon vor dem Hören klar, dass carolesdaughter zumindest inhaltlich keine leichte Kost ist.
Die musikalische Verarbeitung von Themen wie Drogenabhängigkeit und psychischen Erkrankungen kommt nicht von ungefähr. Dass das Leben kein Ponyhof ist, erkennt Thea Taylor, so der bürgerliche Name der Newcomerin, schon früh. Als jüngstes von zehn Kindern einer Mormonenfamilie wächst sie im südkalifornischen Oceanside auf. Bereits als Teenager kommt die damalige Außenseiterin mit Drogen in Berührung, bringt mehrere Klinikaufenthalte hinter sich und fliegt einige Male von der Schule. Dann entdeckt sie die Musik für sich. Punk hat es ihr besonders angetan und beeinflusst ihre eigenen Songs sowie ihr äußeres Erscheinungsbild bis heute.
carolesdaughter singt, schreibt ihre eigenen Songs und spielt mehrere Instrumente. Ihre ersten Lieder nimmt sie in bester DIY-Manier auf. Den Stempel „Bedroom-Pop“ trägt die aufstrebende Nachwuchskünstlerin damit durchaus zu Recht, und doch ist ihre Musik damit noch längst nicht ausreichend beschrieben. Pop-Melodien sind darin ebenso zugegen wie Punk-Akkorde, Lo-Fi-Klänge genauso wie Indie-Gitarrensounds. Die Goth-Ästhetik, bestehend aus Piercings, Spikes, bunten Haaren, auffälligem Make-up und exzentrischen Outfits, komplettiert das Gesamtkunstwerk carolesdaughter.
Vom „Creep“ zum Vorbild
Wie eingangs erwähnt, ist bei carolesdaughter nicht nur die Optik düster, auch inhaltlich herrscht keineswegs eitel Sonnenschein – Kalifornien hin oder her. In ihren Songs singt sie über das, was sie erlebt hat, über Ängste und negative Emotionen, über das Gefühl „Trailer Trash“ zu sein. Das Cover von Radioheads „Creep“ passt da wie angegossen. Klar, dass es auch in den Musikvideos nicht gerade heiter zugeht. In „please put me in a medically induced coma“ windet sich carolesdaughter in einer Zwangsjacke und singt an mehreren Infusionen hängend ins Mikrofon; dem Clip zu „Violent“ verleihen blutverschmierte Kuscheltiere und abgetrennte Babypuppenköpfe einen morbiden Charakter.
Das Düstere, Tragische, das sich durch sämtliche ihrer Veröffentlichungen zieht, begeistert immer mehr Fans: Zahlreiche zumeist junge Hörer*innen feiern carolesdaughter als Idol, identifizieren sich mit Texten, Musik und Auftreten der talentierten Sängerin, die in ihrer Heimat schon mit Machine Gun Kelly touren durfte. Alle Außenseiter, all jene, die sich unverstanden fühlen, finden in carolesdaughters Musik das, was sie in ihrem Umfeld vergebens suchen. Und alle anderen? Die erfreuen sich einfach an den fantastischen Songs.