Ich fühle mich wie Valentina Tereschkowa – nur ohne Funkkontakt zur Erde. In Todesangst trudele ich durch die Dunkelheit des Weltalls. Keine Ahnung, wo oben und unten ist und ob das hier jemals wieder aufhört.
Im Juni 1973 startet Lykke Langer ihre Laufbahn im staatlichen Betreuungssystem der DDR. Sie ist sechs Wochen alt und kommt in die Betriebswochenkrippe der Karl-Marx- Universität Leipzig. Ihre Kindheit ist geprägt von Aufenthalten in Krippen und Kinderheim, Leistungssport, Ausreise-Anträgen und familiären Verstrickungen.
Mit der Staatssicherheit.
Wie Kinder im totalitären Regime der DDR aufgewachsen sind und welch lebenslange Folgen das für viele von ihnen hat, ist lange nicht Teil der öffentlichen Debatte gewesen. WINTERKIND nun erzählt exemplarisch anhand dieser einen Lebensgeschichte vom Aufwachsen im DDR-System und den bis heute spürbaren Folgen. WINTERKIND verwebt individuelle Geschichte mit historischem Kontext und sucht nach der Kraft, die beim Überleben geholfen hat. Lykke Langer spielt dabei als Solo-Performerin sich selbst: distanziert und ganz nah, ironisch, tragisch, bitter, witzig. Gleichwohl ist sie nicht allein beim Erzählen: andere Stimmen kommen dazu, aus Gesprächen und Interviews, projizierte Bilder aus der Vergangenheit und animierte Videos. WINTERKIND: ein Theaterabend aus bewegten Bildern und bewegten Erzählungen.
Uraufführung: 7. November 2024.